Rasenmäher – ein kurzer Blick in ihre Geschichte

Heutzutage kann man sich nur noch schwer vorstellen, was für ein bahnbrechendes Ereignis die Erfindung des ersten Rasenmähers seinerzeit (1830) war. Ein perfekter englischer Rasen wie aus dem Prospekt gehört nämlich mit zu den Kulturen im Garten, die am schwierigsten und aufwändigsten zu pflegen sind, vor allem, wenn es um große weitläufige Parks und Sportanlagen geht.

Die Geschichte des Rasenmähers stellt ein besonders schönes und anschauliches Beispiel dar, wie die Technikentwicklung im Laufe der Jahrhunderte voranschreitet und ein Fortschritt den nächsten bedingt und nach sich zieht.

gepflegter Rasen gelingt nur mit einem guten Rasenmäher

Am Anfang stand die Sense

Jahrhundertelang kannte man zum Rasenmähen nur die Sense, die im Mittelalter von den Bauern sogar als Kriegswaffe benutzt wurde. In aufwändigen Parkanlagen wie in England waren bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts meist mehrere Dutzend Leute gleichzeitig eingespannt, um die „pleasure gardens“ mit Sensen adrett und sauber zu halten.

Schwierig und mühsam wurde es auch, als nach und nach die diversen Rasensportarten wie Tennis, Fußball und Rugby aufkamen und ständig beliebter wurden. Heute wird bei uns meist nur noch an schwer zugänglichen Flächen wie Steilhängen mit der Sense gemäht oder von Menschen, die sich alternativen Lebensweisen verschrieben haben.

Auch die Bergbauern in der Schweiz benutzen noch gerne ihre Sensen, und in den Entwicklungsländern wird die Sense deshalb genutzt, weil ihr Unterhalt nahezu nichts kostet und Arbeitskräfte billig zu haben sind.

Erfindung des ersten Rasenmähers und frühe Geräte des 19. Jahrhunderts

Ein findiger Textilingenieur namens Edwin Beard Budding kam um das Jahr 1830 herum auf die Idee, das Prinzip einer Schneidemaschine aus der Weberei, die mit einer feststehenden Klinge und einer rotierenden Spindel arbeitete, um Faserreste an einem gewebten Stoff abzuschneiden, auf eine Maschine zum präzisen Schneiden von Grashalmen zu übertragen.

Der erste Spindelmäher, welcher durch rotierende Messer Gras über einer festen Klinge abschnitt und damit der erste Rasenmäher war geboren. Von allem Anfang an galten diese ersten Rasentrimmer als überlegene Alternativen zur Sense und setzten sich schnell durch. Budding erhielt dafür ein Patent, das er einige Jahre später an die Firma Ransomes verkaufte, die dann umgehend mit der Fabrikation von Spindelmähern begann.

Sinn und Zweck der ersten Mäher war es, die Rasen in großen Gärten und auf Sportplätzen effizienter schneiden zu können. Im Zuge ihrer Einführung entstanden weltweit normierte Rasenflächen und weitläufige Grünanlagen, unter anderem auch solche für die diversen Rasen-Sportarten, für die dann eigene Regeln eingeführt wurden.

Die nächsten Jahrzehnte in der Technikgeschichte der Rasenmäher waren vor allem der Entwicklung und Erprobung diverser Antriebsarten gewidmet.

Um 1840 herum entwickelte man zunächst Rasenmäher, die von Tieren gezogen werden konnten. Um 1900 herum konnte man dampfbetriebene Rasenmäher bauen. Die Maschinen der frühen Jahrzehnte waren alle aus Gusseisen gefertigt. Sie bestanden aus einer großen hinteren Walze samt Schneidzylinder. Die Kraftübertragung vom hinten liegenden Walzenstück zum davor liegenden Schneidzylinder erfolgte mittels gusseiserner Zahnräder.

Zwischen Bodenwalze und Schneidzylinder befand sich eine weitere Walze, mit der man die Schnitthöhe einstellen konnte. Das Schnittgut wurde nach vorne in eine Art Fangfach geschleudert. Ein Handgriff zum Nachziehen war vor der Maschine angebracht. Vom Grundprinzip glichen diese frühen Maschinen den heutigen handgeführten Rasenmähern. Thomas Greene brachte im Jahr 1859 den ersten Rasenmäher mit Kettenantrieb heraus.

Die industrielle Produktion von Rasenmähern begann in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. 1862 bot die Firma Farrabee acht verschiedene Modelle in unterschiedlichen Größen an. Innerhalb eines Jahres produzierte sie 5000 solcher Maschinen. In den USA wurde das erste Patent für einen Spindel-Rasenmäher im Jahr 1868 erteilt.

Elektro-, Akku,- und Bezin-Rasenmäher

Motorbetriebene Rasenmäher ab dem 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es die ersten mit Motor angetriebenen Rasenmäher (England 1902 Firma Ransomes, Vereinigte Staaten 1919 Colonel Edwin George). Die Erfindung des motorbetriebenen Rasenmähers stellte damals eine bahnbrechende Leistung dar, die die weitere Entwicklung auf dem Rasenmäher-Sektor nachhaltig beeinflussen und vorantreiben sollte.

Bereits 1949 konnte man auf der DLG-Ausstellung in Hannover den Prototypen des ersten motorbetriebenen Sichelmähers bewundern, der ab 1956 serienmäßig produziert wurde (Firma Solo). Sichelmäher sind Rasenmäher, bei denen mit hoher Geschwindigkeit rotierende, horizontal angebrachte Messer die Grashalme – ähnlich wie eine Sichel – abschlagen.

Experimente mit Sichelmähern hatte es zuvor schon wiederholt gegeben. Aber erst dank immer kleiner und besser werdender Motoren konnten sie bis zur Serienreife entwickelt werden und ihren Siegeszug in deutsche Gärten antreten.

Ein Großteil der handgeführten Rasenmäher sind heute noch Sichelmäher. Das gleiche Prinzip kommt jedoch auch bei Aufsitzmähern und Rasentraktoren zur Anwendung. Allerdings werden dort mehrere Messerbalken oder ganze Mähwerke nebeneinander verbaut, um dadurch größere Arbeitsbreiten zu erzielen.

Einen weiteren Fortschritt stellte die Erfindung des Kreiselmähers dar. Die Voraussetzungen hierfür waren erst gegeben, nachdem man Motoren bauen konnte, die klein und stark genug waren, um die Klingen mit hoher Geschwindigkeit zum Rotieren zu bringen.

Das war so etwa in den späten 1920er- bis frühen 1930-er Jahren der Fall. Besondere Berühmtheit in der kommerziellen Produktion von Kreiselmähern erlangte ab 1953 das australische Unternehmen Victa Rasenmäher Pty Ltd..

Natürlich entwickelte man auch den aller Rasenmäher, den Spindelmäher, weiter. Bei diesem werden die Grashalme nicht, wie beim Sichelmäher, abgeschlagen, sondern durch eine mit sehr schnell rotierenden, scharfen Messern versehene Spindel an einem feststehenden Gegenmesser wie mit einer Schere abgeschnitten.

Handbetriebene Spindelmäher kommen noch heute bei Gartenbesitzern mit sehr kleinen Flächen zum Einsatz. Für ausladende Flächen gibt es Aufsitzmäher mit mehreren, nebeneinander angeordneten Mähwerken, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten. Golfrasen beispielsweise werden täglich mit zehn- oder zwölfklingigen Spindelmähern auf zwei bis fünf Millimeter Höhe geschnitten. Der Schnitt ist so präzise, dass die Grashalme glatt und ohne Fransen abgeschnitten werden.

Dadurch trocknen die Gräser nicht aus, und die Grasspitzen werden nicht braun. Es stellt die schonendste Methode des Grasmähens dar, erfordert allerdings ein absolut ebenes Gelände und muss in sehr kurzen, regelmäßigen Zeitabständen erfolgen. Außerdem macht es ein häufiges Bewässern der Rasenfläche erforderlich.

Mäh-Roboter bei der Rasenpflege

Moderne Rasenmäher und ihre Kategorisierung

Die mühevolle Knochenarbeit des Mähens von Hand gehört, bis auf Ausnahmen, seit langem der Vergangenheit an. Heutzutage sind die meisten Mäher motorisiert. Die Mehrzahl der Rasenmäher, die in privaten Gärten zum Einsatz kommen, werden elektrisch betrieben.

Wegen ihrer besseren Handhabung sind hier Akkumäher besonders beliebt, bei denen das lästige Hinterherziehen des Kabels entfällt. Moderne Geräte benötigen zum Aufladen nur noch rund eine Stunde und schaffen damit rund 300 Quadratmeter Rasenfläche.

Für größere Flächen ab etwa 800 Quadratmetern sind die robusten Benzinrasenmäher zu empfehlen, die wahlweise mit Zwei- oder Viertaktmotoren angeboten werden und die es auch als Selbstfahrer gibt.

Nach ihrer Antriebsart lassen sich Rasenmäher in folgende Typen einteilen:

  • Handmäher
  • motorisierte Mäher

Nach Art der Motorisierung unterscheidet man:

  • elektrische Geräte
  • mittels eines Verbrennungsmotors angetriebene Geräte

Elektrorasenmäher kann man untergliedern in:

  • Geräte mit Kabel
  • Geräte mit Akku

Benzinmäher gehören folgenden Kategorien an:

  • Geräte mit Zweitaktmotoren
  • Geräte mit Viertaktmotoren

Für den Einsatz auf weitläufigen Grünflächen gibt es große Maschinen (Selbstfahrer):

  • Rasentraktor mit Frontmotor
  • Aufsitzmäher mit Heckmotor

Alle handgeführten Elektro- wie auch Benzinrasenmäher werden, ebenso wie Sichelmäher, für die komfortable Rasenpflege auch als Versionen mit Radantrieb angeboten. Das erleichtert die Rasenpflege bei unebenem Gelände oder auch bei schwereren Geräten ungemein.

Luftkissenmäher

Unter die neueren Techniken fällt der sogenannte Luftkissenmäher, der keine Laufräder benötigt. Stattdessen „schwebt“ er auf einem Luftkissen, das durch ein Gebläse erzeugt wird. Die sehr leichten Geräte werden von leistungsstarken Elektromotoren angetrieben. Sie zeichnen sich durch große Beweglichkeit und Wendigkeit aus, weshalb sie bevorzugt an steilen Hängen und auf verwinkelten Flächen eingesetzt werden. Meistens werden sie als Mulchmäher ohne Fangkorb angeboten.

Mähroboter

Die derzeit bequemste Art, einen Rasen zu mähen oder, besser gesagt, mähen zu lassen, bietet ein Mähroboter. Ausgestattet mit viel Technik, sehr leistungsstarken Akkus und in der Regel drei Mulchmessern arbeiten diese Geräte völlig selbständig, ohne dass man sie dabei beaufsichtigen müsste. Dabei zerkleinern sie das Gras in so feine Stücke, dass es nicht entfernt werden muss, sondern liegen bleiben kann und als organischer Dünger dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt wird.

Mit einer einzigen Akkuladung ist ein Mähroboter imstande, Rasenflächen bis zu einer Größe von 3000 Quadratmetern in einem Zug abzumähen. Noch bevor der Akku sich ganz entleert, fährt der fleißige Helfer selbständig zu seiner Aufladestation zurück und dockt sich an, um sich erneut aufladen zu lassen. Ein so hoher Technisierungs- und Automatisierungsgrad hat allerdings auch seinen Preis. Mähroboter kosten etwa ab 1000 Euro aufwärts.

Wichtige Worte zum Mähgut, dem sog. Rasenschnitt

Leider wird Rasenschnitt auch heute noch oftmals nur auf einen Haufen geworfen und damit nicht einmal ordentlich kompostiert. So verschwendet man sehr wertvolles organisches Material, aus dem eigentlich bester Humus werden könnte und degradiert es zum Abfallstoff. Kleinere Mengen davon könnte man zumindest als Mulch unter Strauchbeeren oder Tomaten streuen.

Besser wäre es allerdings, man würde das wertvolle Mähgut als Dünger wieder dem natürlichen Nährstoffkreislauf zuführen, indem man es auf der Rasenfläche belässt. Allerdings muss der Rasenschnitt hierfür sehr gut zerkleinert und fein verteilt sein, damit er schnell wieder mineralisiert werden kann. Im Handel sind hierfür spezielle Mulchmäher (Sichelmäher) ohne Fangkorb erhältlich. Auch Spindelmäher erfüllen den gleichen Zweck.

Eine Lanze für den handbetriebenen Spindelmäher

Das Belassen des Grases als Düngerstoff an Ort und Stelle, dort, wo es abgemäht wurde, ist ökologisch sinnvoll und spart außerdem Zeit und Geld, weil das Rasendüngen entfällt. Unter ökologischen Gesichtspunkten stellt der altbewährte handbetriebene Spindelmäher, zumindest für kleine Gartenflächen, das Non plus Ultra dar.

Spindelmäher sind preisgünstig in der Anschaffung, mähen gründlicher und schonender und fördern den Graswuchs. Sie benötigen weder Sprit noch produzieren sie Abgase. Zudem sind sie leise und zerkleinern das Gras auf Grund der mehrfachen Durchgänge optimal.

Rasenmäher heute

Rasenmäher gehören heute zur Grundausrüstung jedes Gartens.
Allein in Deutschland dürften schätzungsweise rund fünf Millionen benzinbetriebene Geräte existieren. Die Anzahl der bei uns auf dem Markt erhältlichen Typen wird auf ungefähr 800 geschätzt, wovon circa 300 auf Rasenmäher und 200 auf Rasentraktoren entfallen. Die Zahl de Anbieter dürfte bei über 50 liegen.

Zusammenfassung

Der Rasenmäher ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern kann auf eine 185 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Was sich noch vor 200 Jahren keiner auszudenken vermochte, ist heute weltweit gebräuchlich. Es existiert eine schier unglaubliche Vielfalt an Rasenmähern auf dem Markt, wie sie sich der Erfinder Edwin Beard Budding 1830 vermutlich in seinen kühnsten Träumen auch noch nicht annähernd hätte vorstellen können, denn dafür bedurfte es einer langen Folge von Techniken und immer wieder neu entwickelter Innovationen.

Egal ob Spindelmäher oder Sichelmäher, Benzinmäher oder Elektromäher, ob Aufsitzmäher, Rasentraktor oder Luftkissenmäher oder sogar Mähroboter – alle Typen von Rasenmähern erfüllen auf ihre Weise nahezu perfekt die in sie gesetzten Erwartungen. Sogar Vertikutierer und Maschinen zum Stutzen der Rasenkanten und -ränder gibt es. Sie alle sind aus unserer heutigen Welt kaum mehr weg zu denken.

Und die Geschichte der Rasenmäher ist gewiss noch lange nicht zu Ende geschrieben. Denn neue Entwicklungen in der Technik – Lasertechnik, Solartechnik, Brennstoffzellen, um nur einige unter vielen zu nennen – bieten immer wieder neue Möglichkeiten zu Innovationen, so dass die Verbesserung und Weiterentwicklung von Rasenmähern wohl niemals stehen bleiben wird.